In der Jugend liegt die Kraft

 

Neben zahlreichen international renommierten Künstlerinnen und Künstlern wie Roman Signer, Janet Cardiff, Mark Dion oder Lucy + Jorge Orta bietet die Emscherkunst auch den nachfolgenden Künstlergenerationen eine Plattform. So entwickeln Studierende der Kunstakademie Münster unter der Leitung von Professor Ferdinand Ullrich mehrere Kunstprojekte im Dortmunder Unionviertel entlang der dicht besiedelten Rheinischen Straße.

Bereits zur ersten Ausgabe der Emscherkunst im Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 kooperierte das Ausstellungsbüro mit der Kunstakademie. Damals entstand in Herne an der Grenze zu Recklinghausen nahe des Stadthafens das Goldene Dorf, ein Verbund aus verschiedenen Bauwagen, in denen Besucher übernachten konnten und um die herum sich ein breites Experimentierfeld für die Kunststudierenden eröffnete. Neben Aktionen, Performances, Video-Programmen und Parties, entstanden vor Ort auch skulpturale Installationen wie die Schutzhelme von Sujin Do, die diesen Sommer erneut zu sehen werden sein.

Impressionen vom Goldenen Dorf

Alle Fotos: Roman Mensing und Thorsten Ahrendt.

Damit zur Emscherkunst 2016 ein ähnlich spannendes und impulsives Programm entsteht, wurde in der Kunstakademie zunächst ein interner Wettbewerb veranstaltet. Studierende aller Klassen und Jahrgänge konnten sich mit eigenen Projekten bewerben. Die Resonanz war groß und am Ende wurden von der Jury bestehend aus dem Kuratorenteam der Emscherkunst, Florian Matzner, Katja Aßmann und Simone Timmerhaus, sowie Prof. Ferdinand Ullrich dreizehn Projekte zur Umsetzung ausgewählt, an denen weit über 30 Studierende beteiligt sind. Für die Studierende bietet dies die Chance, sich erstmalig auf der Bühne der internationalen Kunstszene zu behaupten und Praxiserfahrungen zu sammeln, jenseits des Schonraums der Akademie.

Gleichzeitig liegt in der Jugend bekanntlich die Kraft: So haben die jungen Studierenden der Akademie mitunter einen besonders frischen und unvoreingenommenen Blick und eröffnen neue Perspektiven in alten Zusammenhängen. Für die Emscherkunst 2016 haben sie sich das Kunstareal Unionviertel vorgenommen – einen städtischen Bereich, der sicherlich nicht ohne Probleme ist, in dem sich seit einigen Jahren aber zugleich eine junge Kreativszene etabliert hat. Die Studierenden der Kunstakademie Münster setzen genau hier an den Orten des Umbruchs an und entwickeln für die Emscherkunst 2016 Projekte, die sich mit der Umgebung auseinandersetzen und sich zudem verändernd in den Ort einbringen.

Neben einem Radioprojekt, verschiedenen Exkursionen und künstlerischen Erkundungen, wird es auch ein Filmprojekt sowie Raum für partizipartive Projekte geben. Alteingefahrene Begriffe werden befragt, verändert und ergänzt, Spuren werden gelegt aber auch konserviert und präsentiert, Geräusche und Töne werden transponiert, Orte werden dekoriert und zugleich verfremdet. Weniges hat eine dauerhafte Form, vieles geschieht. Standorte verändern sich, alles ist im Fluss. Der Stadtteil bleibt, wie die Kunst, in Bewegung. Wir bleiben gespannt auf den Kunstsommer 2016.