Emscher-Umbau

Ein Fluss im Wandel

Die rund 80 km lange Emscher im Herzen des Ruhrgebiets wird in einem Generationenprojekt der EMSCHERGENOSSENSCHAFT von einer offenen Abwasserkloake zu einem naturnahen Fluss umgebaut. Der Umbau des Emschersystems ist eine Aufgabe mit ungewöhnlichen Dimensionen – sowohl technisch als auch finanziell. Mit einem Investitionsvolumen von 5 Milliarden Euro und einer Projektlaufzeit von mehreren Jahrzehnten ist der Emscher-Umbau eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Heute sind neben dem Neubau bzw. der Erweiterung von vier Kläranlagen in Dortmund, Bottrop, Duisburg und Dinslaken seit Beginn des Emscher-Umbaus schon 280 von 400 Kilometern Abwasserkanäle gebaut und ca. 125 von 350 Kilometern Wasserläufe umgestaltet.

Mit dem Spatenstich zum Pumpwerk Gelsenkirchen im Jahr 2009 erfolgte der Startschuss für den Bau des Abwasserkanals Emscher zwischen Dortmund-Deusen und Dinslaken. Für diesen „Emscherschnellweg unter Tage“ werden insgesamt 15.000 Kanalrohre unterirdisch vorgepresst. Der Abwasserkanal Emscher verläuft, in Dortmund beginnend, 51 Kilometer lang in Richtung Westen. Bei einem Gefälle von 1,5 Promille (entspricht 1,50 Metern auf einem Kilometer) würde er in Dinslaken in 80 Metern Tiefe ankommen. Um dies zu vermeiden, baut die EMSCHERGENOSSENSCHAFT zwischendurch insgesamt drei gigantische Pumpwerke: in Gelsenkirchen, Bottrop und Oberhausen. Aus einer Tiefenlage von ca. 40 Metern wird in diesen unterirdischen Bauwerken das Abwasser aus dem Kanal auf etwa acht Meter Tiefe hinaufbefördert, damit es dann wieder in einem Gefälle abfließen kann. Der gesamte Emscher-Umbau soll 2020 fertiggestellt sein.


Die Ursprünge der Emscher

 

Eigentlich müsste das Ruhrgebiet Emschergebiet heißen. Denn in der Mitte der Region entspringt ein Fluss, der sich quer durch die Kernzone des weltbekannten Schmelztiegels schlängelt: die Emscher. Ihre Quelle liegt in Holzwickede bei Dortmund, rund 80 km weiter westlich, in Dinslaken, fließt sie in den Rhein. Vor mehr als hundert Jahren war die Region rund um die Emscher noch eine dünn besiedelte Auenlandschaft mitsamt sumpfiger Heiden und feuchter Bruchwälder. Bald hielten jedoch Industrie und Bergbau Einzug ins ländliche Idyll und schnell entstand ein industrieller Ballungsraum: Immer mehr Kohle- und Stahlbetriebe siedelten sich an. Die Bevölkerungsdichte wuchs rasant und zahlreiche Arbeitersiedlungen wurden erbaut.

Die Veränderungen der Landschaft und der Infrastruktur blieben nicht ohne Folgen für den ländlich geprägten Fluss. Sämtliche gewerbliche und häusliche Abwässer wurden in das kleine Flüsschen Emscher und seine Nebenläufe geleitet. Diesen hohen Anforderungen war die Emscher nicht gewachsen: Bei Hochwasser kam es immer wieder zu schweren Überschwemmungen, die ganze Stadtteile unter Wasser setzten und die Menschen mit hygienischen Missständen belasteten. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, wurde 1899 von den anliegenden Städten
und Kreisen, Bergbau und Industrie die EMSCHERGENOSSENSCHAFT gegründet mit dem Ziel, der Emscher wieder einen ungehinderten Abfluss zu verschaffen. Durch den Bergbau und die damit einhergehenden Bergsenkungen war es jedoch nicht möglich, ein unterirdisch verlaufendes Abwassersystem einzurichten. Rohrleitungen unter der Erde hätten diesem Druck nicht standgehalten. Man entschied sich daher, den Flusslauf der Emscher zu begradigen und die Emscher – ähnlich einem Kanal – zu bändigen. Aus der „ungezähmten“ Emscher wurde so ein von
Menschen geformtes System offener Abwasserläufe.