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Eine Insel für die Kunst

Das war 2010...

Radfahren, EMSCHERKUNST Spray-Logo
Foto: Thorsten Arendt
Radfahren entlang der Emscher
Foto: Thorsten Arendt
Walking House
Holzturm von Tadashi Kawamata
Foto: Thorsten Arendt
Spinne, Goldenes Dorf, Stadthafen Recklinghausen
Foto: Thorsten Arendt

Ein Rückblick

Am 29. Mai 2010 wurde das größte Kunstprojekt der Kulturhauptstadt eröffnet. Dann hatten die Besucher mehr als 100 Tage Zeit, um die insgesamt acht Ausstellungsräume auf der Emscherinsel zu erkunden.
40 Künstlerinnen und Künstler, zum Teil in Duos oder Gruppen arbeitend, erschufen 20 Werke unterschiedlichster Art. Die ungewöhnlichsten Räume wie z.B. Schleusen, ehemalige Industrieanlagen oder urbane Brachflächen wurden zur Bühne der EMSCHERKUNST.2010.
International renommierte Künstler wie Rita McBride, Jeppe Hein oder Tadashi Kawamata genauso wie Studenten der Kunstakademie Münster hatten den Auftrag angenommen und sich bei zahlreichen Bereisungen per Schiff, Rad und Auto intensiv mit den Standorten und der Region auseinander gesetzt. So entstanden 2010 – um nur zwei Beispiele zu nennen – ein monumentales  Wandmosaik auf der Außenhülle eines ehemaligen Faulturms in Herne (Silke Wagner) oder ein versunkener Garten in einem ehemaligen Klärbecken in Bottrop Ebel (Piet Oudolf und Eelco Hooftmann). Ergänzt wurde diese Konzeption durch ein besonderes künstlerisches Projekt im Westen der Insel, bei Schloss Oberhausen. Hier erfüllt eine Großskulptur von Tobias Rehberger zugleich die Funktion eines Brückenübergangs auf die Emscherinsel. 

Die Beschäftigung mit den ortsspezifischen Begebenheiten blieb aber nicht die einzige Annäherung an die Region - die Macher der Ausstellung sind auf die Unterstützung ortsansässiger Experten genau so angewiesen wie auf die Teilhabe der Bevölkerung. Viele Projekte luden nicht nur zum Anschauen, sondern zum Mitmachen und Mitgestalten ein.

Faulturm mit Mosaik von Silke Wagner
Foto: Roman Mensing
Künstler vor Ort mit Florian Neuner
Foto: Roman Mensing
Filminstallation von M+M im Faulturm
Foto: Roman Mensing
Kasperletheater von Stephan Huber
Foto: Roman Mensing
Fernrohr von Jeppe Hein bei Burg Vondern
Foto: Roman Mensing


Eine Bilanz


„…eigenwillige Ausschnitte, nicht aus der Ausstellung, sondern aus einer Landschaft, die seit Jahrhunderten kultiviert, ausgebeutet, umgepflügt, verlassen, aufgegeben und jetzt wieder neu entdeckt wird. Es ist ein erstaunlicher Effekt, dass die weit entlang der Emscher installierte Kunst sich in der Erinnerung tatsächlich zusammenzieht zur Ausstellung, auch wenn man die Orte nicht hintereinander, sondern zeitlich zerstreut besucht hat. Vielleicht auch, weil der Ort so eigenartig ist….Die Topographie verschränkt sich mit den Projekten der internationalen Künstler-Riege, schon weil so eine ‚Insel’ wie das zwischen Kanal und Fluss aufragende Erdstück selbst von eigenartig skulpturaler Qualität ist, eine Art kollaterale Earth-Art….wobei es bei dem Konzept nicht darum geht, die von Kohle und Stahl geprägte Landschaft zu behübschen. Dass nun viel Geld in das Projekt fließen konnte, ist schon deshalb ein seltener Triumph, weil die Kunst hier gegen die Dimensionen der aufgegebenen Industrie-Ruinen ankommen muss, die nicht nur mächtig aufragen, sondern auch von Reichtum, Gewinnstreben und Finanzmacht zeugen. Die stillgelegten Fabriken so sehr wie die Berge von Aushub, die alten Häfen, die Rohrleitungen, die aufgegebenen Schienennetze und die leerstehenden Wohnsiedlungen… Dass die Ausstellung dieses große Format mit anderen Werken heruntergebrochen hat, also nicht überwältigende Marksteine der historisch kontaminierten Gegend gegenübergestellt oder implantiert hat, verschafft der Schau fast unerwartet Sensationen…“

Mit diesen Worten hat Catrin Lorch im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom 23. August 2010 die Ausstellung EMSCHERKUNST.2010 beschrieben und analysiert. Die EMSCHERKUNST.2010 war für die Veranstalter ein großer Erfolg mit mehr als 200.000 Besuchern und einer außergewöhnlich positiven Resonanz in der lokalen, nationalen und internationalen Presse. Dies zählt umso mehr, wenn man bedenkt, dass mit dieser Ausstellung in vielerlei Hinsicht Neuland betreten wurde: Vom Ausstellungsareal mit dem Motiv der Emscherinsel über das Ausstellungsbüro – angesiedelt bei einem Wasserverband – bis hin zum Cross Over der vertretenen Kunstrichtungen.

Schutzhelme