Information
Eine Insel für die Kunst
Der Emscher-Umbau
Seit zwei Jahrzehnten wird mit dem Emscher-Umbau, dem weltweit größten Projekt zur Gestaltung einer neuen Flusslandschaft, ein Prototyp kooperativer regionaler Planung mitten im Herzen der Metropole Ruhr verwirklicht. Die Internationale Bauausstellung Emscher Park setzte in den 1990er Jahren mit dem Emscher Landschaftspark die Marken für den Landschaftswandel, aus ehemaligen Industriebrachen wurden Naturräumen oder Terrains für Neunutzungen wie Arbeit, Handel, Wohnen und Freizeit. Dieser Prozess wird mit dem Emscher-Umbau bis zum Jahr 2020 weitergeführt: Aus 350 Kilometern betonierter Abwasserkanäle entlang der Emscher und ihrer Nebenläufe entstehen wieder renaturierte, lebendige Gewässer: die Vision des Neuen Emschertals.
Eigentlich müsste das Ruhrgebiet Emscherregion heißen. Denn in der Mitte dieser Region entspringt ein Fluss, der sich quer durch die Kernzone dieses weltbekannten Ballungsraumes schlängelt: die Emscher. Sie entspringt in Holzwickede bei Dortmund und fließt rund 80 km weiter westlich bei Dinslaken in den Rhein. Sie ist das verbindende Element zwischen den Metropolen Dortmund und Essen, sie fließt durch Bottrop, Castrop-Rauxel, Recklinghausen – 12 Städte insgesamt. Über ein Jahrhundert lang fungierte die Emscher als offene Abwasserleitung einer durch rapiden Bevölkerungszuwachs und die Schwerindustrie geprägten Zone. Seit den 90er Jahren wird die „Cloaca Maxima“ in einem auf Jahrzehnte angelegten Generationenprojekt umgebaut – eine Jahrhundertchance für die Region. Die Emscher ist zentrales Element des Strukturwandels und zugleich ein Stück Industriegeschichte: Bis ins 19. Jahrhundert war die Emscher ein unbedeutendes Gewässer in einer kaum besiedelten Umgebung. Ihren Weg bahnte sie sich durch Auen, Bruchwälder oder sumpfige Heiden, dabei entwickelte sie ihren eigenwilligen Charakter. Durch das geringe Gefälle von nur 122 Metern auf den über 100 Kilometern zwischen der Quelle in Holzwickede bis zum Rhein konnte sich kein dauerhaftes Flussbett ausbilden. Die Emscher suchte sich ständig neue Wege und überschwemmte dabei vor allem nach starkem Regen weite Gebiete.
Der Bergbau verändert das Gesicht der Region
Dann hielten Industrie und Bergbau Einzug, die Emscher sollte ihr ländliches Aussehen schnell verlieren. Mit dem aufkommenden Montangewerbe siedelten sich immer mehr Kohle- und Stahlbetriebe an, die Bevölkerungsdichte nahm rasend schnell zu. Ein Blick auf die wirtschaftsgeografische Landkarte des ausgehenden 19. Jahrhunderts zeigt die Folgen: Hunderte von Steinkohlezechen, Dutzende Stahlwerke, zahlreiche Arbeitersiedlungen waren aus dem Boden geschossen. Gewerbliche und häusliche Abwässer wurden in das kleine Flüsschen Emscher und ihre Nebenläufe geleitet. Zusätzlich traten infolge des untertägigen Bergbaus großflächige Bergsenkungen auf: Der Abfluss zum Rhein verschlechterte sich dramatisch, bei Hochwasser kam es immer wieder zu schweren Überschwemmungen, die ganze Stadtteile unter Wasser setzten und die Menschen mit hygienische Missstände belasteten. Das zusehends verschmutze Wasser brachte Ruhr und Cholera mit sich.
Hilfe für den geschundenen Fluss
Als die anliegenden Städte, Bergbau und Industrie 1899 die Emschergenossenschaft gründeten, stand folgerichtig das Ziel im Mittelpunkt, dem geschundenen Fluss wieder ungehinderten Abfluss zu verschaffen und somit Gesundheits- und Hochwasserprobleme zu lösen. Dass man bei der Lösung nicht auf unterirdische Abwasserkanäle zurückgriff, ist mit den damaligen Bodensenkungen um bis zu 25 Meter zu erklären; Rohrleitungen unter der Erde hätten diesem Druck und den Verschiebungen nicht standgehalten. Daher wurde der Flusslauf verkürzt, begradigt und in Betonschalen – ähnlich einem Kanal – gebändigt.
Vom Hinterhof zum Vorgarten
Heute, über hundert Jahre später, sind fast alle Zechen und die meisten Stahlwerke verschwunden. Der Bergbau ist nordwärts gewandert, die Bodensenkungen sind weitgehend abgeklungen. Das gibt der Emscher eine Chance, ihr Gesicht erneut zu wandeln: Aus der einst von Menschenhand begradigten, in Betonsohlen verbannten Emscher und den Nebenläufen wird wieder ein Flusssystem ohne die Abwasserbelastung. Aus ehemaligen Meidezonen werden attraktive, durch Rad- und Wanderwege erschlossene Erholungsbereiche.
4,4 Mrd. Euro Gesamtinvestitionen
Der Startschuss für den Umbau des Emschersystems fiel 1991: Das Programm sieht neben dem Bau neuer Kläranlagen und unterirdischer Kanäle auf einer Länge von 400 Kilometern auch die naturnahe Umgestaltung sämtlicher Gewässer vor – mit einem Gesamtvolumen von rund 4,4 Mrd. Euro über einen Zeitraum von insgesamt etwa 30 Jahren. Heute sind neben 4 Kläranlagen seitdem schon 212 Kilometer Abwasserkanäle gebaut und fast 70 Kilometer Wasserläufe umgestaltet. Mit dem Spatenstich zum Pumpwerk Gelsenkirchen im Jahr 2009 erfolgte der Startschuss für den Bau des 51 km langen Abwasserkanals zwischen Dortmund-Deusen und Dinslaken. 2020 ist der gesamte Emscher-Umbau abgeschlossen.






