Ai Weiwei

*1957 in Peking, lebt dort

Der chinesische Bildhauer, Konzept- und Installationskünstler, Filmemacher und Buchautor kommentiert und kritisiert in seinen Werken die gravierenden Veränderungen, die in China seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes stattfinden. Als Sohn eines Dichters und Malers kam Ai Weiwei schon früh mit Kunst in Berührung. Heute gehört er zu den international bekanntesten Vertretern chinesischer Kunst.

2011 wurde Ai Weiwei in Peking durch chinesische Behörden inhaftiert und 81 Tage festgehalten. Während der Haft wurde er in die Berliner Akademie der Künste aufgenommen und erhielt eine Gastprofessur an der Berliner Universität der Künste. Nach seiner Entlassung war es Ai Weiwei mehrere Jahre nicht möglich, aus China auszureisen. 2015 erhielt der Künstler jedoch seinen Reisepass zurück und konnte so im Sommer nach langer Zeit erstmals wieder sein Heimatland verlassen und so auch seinen in Deutschland lebenden Sohn besuchen. Auch seine Gastprofessur in Berlin konnte er nun endlich antreten.

Das Aufeinanderprallen zwischen der chinesischen und der westlichen Kultur, Werte- und Traditionsverlust sowie die künstlerische Freiheit an sich, staatliche Zensur und der Umgang mit Menschenrechten sind zentrale Themen in Ai Weiweis Werken. Bei einer seiner bekanntesten Performances, Dropping a Han Dynasty Urn (1995), zerschmetterte Ai Weiwei jahrtausendealte chinesische Vasen. Als Auftragsarbeit für das Museum „Tate Modern“ in London ließ Ai Weiwei 2011 hundert Millionen handbemalter, gebrannter Porzellan-Sonnenblumenkerne produzieren. 1.600 ArbeiterInnen der chinesischen „Porzellanstadt““ Jingdezhen produzierten diese über zwei Jahre. Damit machte er auf traditionelle chinesische Handwerkstraditionen, die mehr und mehr verschwinden, aufmerksam. Die Sonnenblumenkerne sind in der chinesischen Geschichte positiv besetzt als Symbol für Mitgefühl und Freundschaft, gleichzeitig sind sie ein beliebter Straßensnack. Andererseits ließ sich Mao Tse-Tung gerne auf Propagandaplakaten als Sonne darstellen, dem alle Sonnenblumen (Chinesen) ihr Gesicht zuwandten.

Ausstellungen und Auszeichnungen (Auswahl):

Neben einer Gastprofessur an der Berliner Akademie der Künste sowie der Universität der Künste (2011) wurde Ai Weiwei mit dem Kasseler Bürgerpreis Glas der Vernunft (2010) ausgezeichnet. Zudem erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Ghent sowie die Skowhegan Medal (2011) und den Chinese Contemporary Art Award (2008). Ai Weiweis Arbeiten wurden international in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt, u. a. im Kunsthaus Bregenz (2011), the Victoria & Albert Museum London (2011), Asia Society Museum New York (2011); Tate Modern, London (2010), Haus der Kunst München (2009). Weiterhin nahm Ai Weiwei an der Documenta XII (2007)  und der Biennale in São Paulo (2010) teil. Zuletzt widmete ihm 2015 die Londoner Royal Academy of Arts eine große Retrospektive.