Black Circle Square

 

In Anlehnung an den russisch-ukrainischen Maler Kasimir Malewitsch (russ. Kazimir Malevič, 1878-1935) schafft der italienische Konzeptkünstler Massimo Bartolini für die Emscherkunst 2016 eine performative Skulptur mit dem Titel Black Circle Square.

Malewitsches Werke „Schwarzes Quadrat“ und „Schwarzer Kreis“ (beide 1915) sind als eine Art Nullpunkt der Malerei in die Kunstgeschichte eingegangen und werden häufig als Ikonen der Moderne bezeichnet. Sie stellen Schlüsselwerke dar, welche den Paradigmenwechsel der Malerei von der gegenständlichen Kunst hin zu einer abstrakten Darstellungsweise markieren.

«Ich habe mich auf die Null der Form reduziert und bin darüber hinausgegangen, von 0 auf 1» Malewitsch, 1915

Massimo Bartolini zieht mit seiner Arbeit Black Circle Square eine Verbindung zwischen der historischen Geschichte der Emscher und der Industrialisierung des Ruhrgebiets zu den rund hundert Jahre alten Werken von Kasimir Malewitsch. Am Hochwasserrückhaltebecken (kurz HRB) in Dortmund an der Grenze zu Castrop-Rauxel baut Bartolini eine Art skulpturale Nachbildung und Weiterentwicklung des Gemäldes „Schwarzer Kreis“ (engl. „Black Circle“): Als Blow Up im Maßstab 1:10 ist in das große weiße Plateau ein schwarzer Kreis eingeschrieben – ein Pool der Wasser führt. Das weiße Quadrat mit schwarzem Pool stellt für Bartolini eine Art Garten ohne Bäume dar, der in einem performativen Akt während der Ausstellungsdauer regelmäßig gesäubert werden soll. Ganz so als handle es sich dabei um eine spirituelle Aufgabe, von der die Reinlichkeit der ganzen Welt abhinge.

 

 

Bartolini stellt mit dem konstruktivistischen Werk von Malewitsch eine Verbindung zur Geschichte der Industrialisierung her, denn die adäquate Kunstform der Industrialisierung in Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die abstrakte und nicht die gegenständliche bzw. figurative Kunst. Für Bartolini teilen Malewitsches Werke deshalb ähnliche Grundsätze bzw. Visionen wie die Industrialisierung, allen voran der unbedingte Wille nach Neugestaltung der Zukunft. Zentraler Gedanke im Werk Malewitsches und seiner neu entwickelten Kunstform Suprematismus ist es, mit künstlerischen Mitteln eine neue Welt zu gestalten.

Das Ruhrgebiet war in Europa eins der Zentren der Industrialisierung. Lange war die Region ein industrieller Ballungsraum, in dem sich Fabriken und industrielle Anlagen dicht aneinander türmten. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass der kleine ländliche Fluss Emscher zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den Bergbau und die Industrie zu einem Abwasserkanal missbraucht wurde. Ihrem natürlichen Flusslauf entraubt und in ein starres Betonkorsett gelegt, wurde die Emscher gänzlich industriellen Zwecken unterworfen.

Gerade hier in der Region ist das alte Wertesystem der Industrialisierung aber schon länger in der Revision: Heute über hundert Jahre später soll dieser Prozess im gewissen Sinne rückgängig gemacht werden und die Emscher zurück zu einer naturnahen Flusslandschaft umgebaut werden. Die Emscher wird vom Abwasser befreit, gewissermaßen „gereinigt“, wie das weiße Quadrat, die weiße Leinwand Bartolinis, die regelmäßig in einer Performance von einem Mann gereinigt wird.

Besucherinformationen:

Der Black Circle Square befindet sich am Hochwasserrückhatebecken der Emschergenossenschaft in Dortmund-Mengede an der Grenze zu Castrop-Rauxel und bleibt auch nach Ausstellungsende erhalten. Er fungiert zugleich als Löschteich für den benachbarten Emschertalhof.

Das Hochwasserrückhaltebecken ist am besten mit dem Fahrrad zu erreichen. An der unten genannten Adresse finden Sie einen Betriebsweg der Emschergenossenschaft, der zu einem kleinen Schotterparkplatz führt. Von dort aus sind es noch einige Minuten zu Fuß.

Anfahrtdresse: Strünkedestraße 248, Dortmund
An der Strünkedestraße 248 befindet sich Terra Nature Dortmund, ein Handel für Aquariumbau und Terrariumbau. Folgen Sie der Straße von hier ca. 300 m weiter südlich, dann befindet sich auf der linken Seite ein kleiner Weg, der zum Parkplatz führt. Der Weg ist ausgeschildert. Vom Parkplatz aus sind es ca. 15 Minuten zu Fuß zu den Kunstwerken.
ÖPNV: Ab Dortmund Mengede Bf mit dem Bus 482 (Richtung Castrop Schwerin Seniorenheim). Aussteigen an Haltestelle: Stadtgrenze CAS/DO. Von hier aus ca. 10 Minuten zum Hochwasserrückhaltebecken laufen.
GPS: 51.58635, 7.35559