Gesellschaft der Amateur-Ornithologen

 

Mark Dion ist seit über zwanzig Jahren passionierter Sammler. Aus dieser geradezu obsessiven Haltung heraus entwickelt er Objekte, Skulpturen und Fotoarbeiten und arrangiert sie zu Installationen, die oft wie naturkundliche Schauräume oder Museumspräsentationen anmuten. In seinen Außeninszenierungen kombiniert er in kunstvoll zusammengestellten Szenarien naturkundliche Phänomene, in die er nicht nur biologische, sondern auch philosophische Überlegungen einbezieht und sie mit dem aktuellen Kunstdiskurs verbindet. Er arbeitet häufig mit Naturkundemuseen und Sammlungen zusammen, macht ihnen in seinen Arbeiten jedoch die alleinige Naturinterpretation streitig. – Eine solch materialreiche Installation realisiert Mark Dion auch für die Emscherkunst: Der Künstler verwandelte einen alten Gastank, den er bei seinen Erkundungen auf der Emscher-Insel auf der ehemaligen Kläranlage in Herne entdeckte, in eine begehbaren „Forschungsstation“. Aus der Entfernung wirkt der Gastank wie ein gestrandetes U- Boot, in seinem Inneren jedoch lockt die einladende Atmosphäre eines „Gentleman-Club“ ganz im Stile von Kapitän Nemos Nautilus-U-Boot in Jule Vernes Abenteuerroman „20.000 Meilen unter dem Meer“.

In der Gesellschaft der Amateur-Ornithologen kann sich der Besucher während der Ausstellung dann dem Studium und der Beobachtung heimischer Vogelarten widmen. Dieser liebevolle skurrile Ort der Begegnung und des Gesprächs ist vom Künstler mit zahlreichen Nachschlagewerken zum Thema Ornithologie in den unterschiedlichen Sprachen ausgestattet worden, um den Besucher an das Thema Natur und im Besonderen den Vogelschutz heranzuführen und zu sensibilisieren. Der ehemalige Gastank als „Beobachtungsstation“ will den Blick auf die Umgebung neu lenken, intensivieren und schärfen und gleichzeitig die Ausstellungsbesucher einladen, sich zu treffen, sich miteinander auszutauschen und die ökologischen und strukturellen Veränderungen im Emschertal zu diskutieren.

Während der Emscherkunst 2016 wird der Gastank am Hochwasserrückhaltebecken (kurz HRB) in Dortmund-Mengede an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel-Ickern beheimatet sein. Im Zuge Arbeiten an dem neuen HRB ist vor Ort ein neuer Naturraum und Kleinod für viele Tiere und Pflanzen entstanden. Auch viele Vögel haben hier ein neues Zuhause und sogar neue Brutstätten gefunden. Eine Vielzahl unterschiedlichster Vogelarten werden dann im Sommer vom Gastank aus zu beobachten sein.