Schlagende Wetter

 

Der Begriff „Schlagende Wetter“ stammt aus der Bergmannsprache und bezeichnet die explosive Reaktion von Luft und Grubengas unter Tage. In der Filminstallation von M+M, die im Ruhrgebiet gedreht wurde, dient er gleichzeitig als Metapher für zwischenmenschliche Spannungen. Im Zentrum der Handlung steht eine Familie im Ruhrgebiet, die in verschiedenen Generationen unter einem Dach zusammenlebt und unterschiedlichen zwischenmenschlichen „Druckkräften“ ausgesetzt ist.

Während sich in den Eltern soziale und emotionale Umbrüche der Gegenwart manifestieren, scheint der Großvater noch in der Vergangenheit des intakten Bergbaus zu verharren und der Sohn nach einer zukünftigen Identität zu suchen. Die Kamera bohrt sich in den Szenen senkrecht durch die Landschaft. Sie steigt von Grubenschächten und Kokereiruinen über die Räume der Wohnung hinauf in die Höhe einer Halde. Die industrielle Perforation und Umbruchsituation der Landschaft spiegelt sich so in der Psyche ihrer Bewohner, die sich wie Elemente eines hoch explosiven chemischen Gemisches verhalten.