Trinkhalle

Lena Dues

 

Die Trinkhalle gehört zum Ruhrgebiet wie kaum eine andere Erscheinung. Sie ist der konzeptuelle Ausgangspunkt der Künstlerin. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden Trinkhallen überall dort wo Zechen- und Fabrikarbeiter lebten, um diese mit alkoholfreien Getränken zu versorgen. Damals musste das Leitungswasser vor dem Verzehr abgekocht werden, weshalb die Arbeiter vorwiegend Bier und Schnaps tranken.Ausgehend von ihrer ursprünglichen Funktion, dem Eindämmen des umsichgreifenden Alkoholismus, entwickelte sich die Trinkhalle mit ihren regionalen Varianten, wie Kiosk, Büdchen oder Späti zum soziokulturellen Schlüsselort in ganz Deutschland. Die Reklamefähnchen, die – schon aus der Ferne erkennbar – zum Konsum verlocken sollen, sind zu ihrem Symbol geworden. Angehäuft und verdichtet, entsteht eine surreale, ortsspezifische Installation zwischen Erinnerung und Neudefinition. Doch die Werbung hält ihr Versprechen hier nicht. Die selbstentworfenen Fähnchen bleiben Rudimente, deren schmückende Eigenschaft in den Vordergrund rückt und so das Straßenbild prägt.

Park der Partnerstädte 2, Dortmund