Über die Kunst zu morsen

 

Zur Emscherkunst 2016 verändert sich erneut das Corporate Design der Ausstellung. Was es mit den „Kunstmorse“ auf sich hat, erklären wir hier.

Die Emscherkunst findet im triennalen Rhythmus seit dem Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 statt. Seit dem Auftakt der Ausstellung hat sich ihr Erscheinungsbild mehrfach geändert. Mit dem regelmäßigen Wechsel und der Aktualisierung des Ausstellungsdesigns bleibt die Ausstellung nicht nur stets am Puls der Zeit, sondern signalisiert auch eine inhaltliche Neuausrichtung – schließlich rücken bei jeder Ausgabe der Emscherkunst sowohl ein neuer Ausstellungsraum als auch neue künstlerische Arbeiten in den Fokus. So dient das neue Design immer auch als Signal eines kuratorischen und künstlerischen Neuaufschlags.

Bereits im Rahmen der Emscherkunst in 2013 konnte das Ausstellungsbüro bei der Neuausrichtung des Corporate Designs eine besonders erfolgreiche Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste eingehen. So entwickelten Studierende des Fachbereichs Gestaltung unter der fachlichen Begleitung von Prof. Anke von Bremen und Prof. Ralf de Jong verschiedene Konzepte für ein neues Design der Ausstellung. Am Ende wählte eine Jury bestehend aus dem Kurator Prof. Dr. Florian Matzner sowie den Veranstaltungspartnern einen Siegerentwurf aus. Auch zur Emscherkunst 2016 konnte diese Tradition aufrechterhalten werden. Die Idee für das neue, prägnante Erscheinungsbild der Emscherkunst stammt von Alexander Bönninger, der an der Folkwang Universität Visuelle Kommunikation und Kommunikationsdesign studiert.

Kunst als Kommunikation

Das neue Gestaltungsbild der Emscherkunst basiert auf der Grundannahme, dass Kunst immer auch Kommunikation ist, aber in gewissem Sinne, eine verklausulierte, eine verrätselte und chiffrierte Form der Kommunikation. Ähnlich wie ein Morsecode werden die tieferliegenden Botschaften der Kunstwerke vom Betrachter während des Rezeptionsvorganges bewusst oder unbewusst decodiert und dechiffriert. Die Morse im neuen Design spielen also auf die Verrätselung der Kunst an und fordern gleichzeitig zu einer spielerischen Auseinandersetzung und einer Art Spurensuche auf.

Hochwasserrückhaltebecken

Nicht zuletzt gilt es auch die Kunst in der Landschaft der Region zu entdecken: Die rund 50 Kilometer lange Kunstroute der Emscherkunst 2016 führt von der Quelle der Emscher in Holzwickede quer durch das Ruhrgebiet bis zum Stadthafen Recklinghausen an der Grenze zu Herne. Unterwegs lassen sich weit über 20 Kunstwerke an spannenden und ungewöhnlichen Orten wie ehemaligen Industrieanlagen, unscheinbar wirkenden Autobahnkreuzen oder neu entstehenden Naherholungsgebieten erkunden. Neben den Kunstwerken sind es auch die Region und ihre Landschaft, die eine Entdeckungsreise wert sind.

Die Kunst der Dits und Dahs

Der Vater des Morsealphabets Samuel Morse war übrigens nicht nur Entdecker und Tüftler, sondern zu allererst selbst Künstler und später sogar Professor für Kunst und Design in New York. Seine Erfindung machte ihn zum Pionier der modernen Telekommunikation. Der erste Telegraf zum Versenden von Sätzen und Texten über weite Entfernungen mittels elektrischer Übertragung entstand auf einer seiner eigenen Staffelleien: Auf einer laufenden Papierrolle verband Samuel Morse über ein Pendel einen Stift mit Strom, der eine stetige gerade Linie zeichnete. Wurde die Stromzufuhr unterbrochen, schlug das Pendel aus – der Stift brach aus der geraden Linie aus und zeichnete Zacken. In der gesprochenen Sprache werden die einzelnen Elemente, kurz und lang, „dits“ und „dahs“ genannt.

Emscherkunst 2016:
Ein Erlebnis von lang-kurz-lang bis lang

Das neue Corporate Design der Emscherkunst 2016 wurde nach der Idee von Alex Bönninger von der Dortmunder Agentur KOEPERHERFURTH weiterentwickelt und umgesetzt. Ziel war es, ein prägnantes Erscheinungsbild für die Ausstellung zu schaffen, das sich sowohl in der Landschaft als auch im urbanen Raum durchsetzen kann und gleichzeitig die Einzigartigkeit der Emscherkunst widerspiegelt.  Mit dem neuen Design ist ein ganzheitlicher Auftritt der Ausstellung, vom Logo über die Online- und Printmedien bis hin zum Orientierungssystem des Ausstellungsparcours, entstanden, der geprägt ist von einem spielerischen Charakter und die Besucher zu Interaktion, Spurensuche und Entdeckungsreisen zu der Kunst im öffentlichen Raum einlädt.